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Der Code der Pharaonen von Lesley und Roy Adkins

Code der Pharaonen

Der Code der Pharaonen
Der dramatische Wettlauf um die Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen

  • von Lesley und Roy Adkins
  • Übersetzung ins Deutsche: Nikolaus Gatter
  • Verlag: Lübbe
  • Taschenbuch, broschiert
  • 448 Seiten
  • 1. Auflage
  • Erscheinungsdatum: Februar 2004
  • ISBN: 978-3902478276


Kurzbeschreibung: Wer löst als Erster das Rätsel der Hieroglyphen?
Paris, 1822: Ein Mann, der Ohnmacht nahe, stürmt durch eine düstere Gasse, um seinem Bruder die ersehnte sensationelle Nachricht zu überbringen: Er glaubt, die ägyptischen Hieroglyphen entziffert zu haben! Jean-François Champollion ist der Held dieses Wissenschaftskrimis. Eine wunderbare Biografie über den Begründer der Ägyptologie, der anhand des Steins von Rosette an der Entschlüsselung der Hieroglyphen arbeitete.

Rezension:
Auf spannende Weise schildert dies Buch die Biografie des überaus sprach- und schriftbegabten Hieroglyphen-Entzifferers Jean-François Champollion; und somit gleichzeitig den Wettlauf um die Entschlüsselung der Hieroglyphen – der Hauptrivale: Thomas Young. In der Tat war es ein dramatischer Wettlauf, was die ganze Lebensgeschichte Champollions hierbei verdeutlicht. Laut Autoren war Champollion geradezu besessen wenn es um das Gedeihen seiner Forschungsarbeiten an der altägyptischen Schrift ging, das bis zur Entzifferung 20 Jahre andauern sollte – allerdings mit Unterbrechungen. Champollion, der fast stets unter Mittellosigkeit und kränklicher Verfassung litt sowie in unruhigen und wirren Zeiten der französischen Revolution lebte, schaffte es trotzdem den Sieg davon zu tragen und gehört heute zu den "Unsterblichen" mit seiner wissenschaftlichen Großtat.

Beginnend mit der Schilderung der sogenannten Ägyptenexpedition unter Napoleon in den Jahren 1798/99, die einen wesentlichen Beitrag zur Wiederentdeckung der altägyptischen Kultur geleistet hatte, erfährt der Leser, die der Entzifferung vorangegangen Begebenheiten, die quasi den Grundstein der Ägyptologie legten. Auch wenn diese Expedition militärisch gesehen ein Fehlschlag war, so war sie um so ergiebiger in Sachen Aufzeichnungen und Entdeckungen, darunter auch der heute so berühmte "Stein von Rosette".

Champollion, damals noch ein Kind, interessierte sich schon sehr früh für die altägyptische Kultur und für Sprachen, insbesondere für die Orientalischen. Dieses Sprachgenie erlernte im Laufe der Zeit: Lateinisch, Arabisch, Syrisch, Persisch, Griechisch, Hebräisch, Koptisch; mit bereits 17 Jahren beherrschte Champollion etliche Sprachen und vertiefte seine bestehenden Kenntnisse. Schon in seiner Jugendzeit arbeitete er an einer Grammatik und einem Wörterbuch des Koptischen; diese Sprache, eine Mischung aus Altgriechisch und Demotisch (=Spätentwicklung des Altägyptischen), sollte ihm später große Vorteile bei der Entzifferung der Hieroglyphen bringen.
In den politischen Unruhen Frankreichs erlebte Champollion ein stetiges Auf und Ab, sei es gesundheitlich, seien es Rückschläge in Bezug auf seine wissenschaftlichen Arbeiten oder Beziehungen zu anderen Wissenschaftlern. Da er inzwischen ein Gelehrter war und mit Hilfe seines Bruders, der ihn von Anfang an förderte, alsbald die Nachricht kam über seinen ernsthaften Rivalen namens Young, der ebenso dabei war die Hieroglyphen zu entziffern, veranlaßte ihn dies erst recht weiterzumachen. Und trotz Anfeindungen und Unterstellungen seitens anderer Wissenschaftler in diesem Fach, konnte Champollion auf seinem Siegeszug nicht aufgehalten werden.
Am 14.9.1822 war es dann soweit: »Je tiens l'affaire!« (»Ich hab's!«) soll er gesagt haben und dann – der Legende nach – in eine Art Koma gefallen sein. Champollion gelang tatsächlich der Durchbruch. Sein zuvor entwickeltes Hieroglyphen-Alphabet verhalf ihm zu einer Methode, die das Entziffern der Hieroglyphen erlaubte. Anhand einiger Königskartuschen gelang ihm dieser sensationelle Fortschritt, doch es sollte noch einige Zeit dauern, bis seine Methode in der Fachwelt anerkannt wurde. Seine Gegner unterstellten ihm Fehler und kopiertes Wissen. Schließlich ließ Champollion sich nicht beirren und publizierte alsbald seine Ergebnisse und hielt Vorträge.
Zur Vervollkommnung seiner grandiosen Arbeit folgte eine monatelange Expedition nach Ägypten, wo er seine wissenschaftlichen Ansätze und Arbeiten fortsetzte. Trotz kränklicher Verfassung reiste er durch das ganze Land und machte mit Hilfe seiner Fachkollegen, Aufzeichnungen, Kopien oder studierte einfach nur die Hieroglyphen vor Ort. Dies geballte Wissen summierte sich in unzähligen Notizen und Manuskripten, die teils noch zu seinen Lebzeiten, in Reinform, publiziert wurden. Wieder zurück in Frankreich lebte Champollion noch einige Jahre, verstarb aber dann recht früh 41-jährig, und hinterließ ein beeindruckendes wissenschaftliches Erbe.

Als Quelle dienten den Autoren u.a. Briefe und Tagebücher der Gebrüder Champollion, aus denen auch im Buch zitierte Passagen zu finden sind. Eingeteilt in zehn Kapitel vermittelt diese Biografie dem Leser nicht nur Fakten sondern ebenso viel Menschliches zum Schicksal und Lebenslauf Champollions. Gerade diese persönliche Note versetzt den Leser in die Lage, mitzufiebern auf dem Weg zur Entzifferung der Hieroglyphen. Zur lehrreichen Ergänzung sind einige Hieroglyphen in den Text eingestreut, wo es Sinn macht, mit deutscher Übersetzung. Überhaupt lernt der Leser einiges über dies komplexe Schriftsystem, vor allem natürlich die ersten Schritte, die Champollion zur Entzifferung führten. Im Schlußteil des Buches kommt die Bedeutung, die die Schrift für die alten Ägypter hatte zur Sprache. Darüber hinaus noch einige sehr gute Buchtipps zum Weiterlesen zum Thema Hieroglyphen (erlernen).

Diese fesselnde Biografie über Jean-François Champollion, der Mann, der die Ägyptologie begründet hat, ist filmreif und ist eine perfekte Mischung an Sachlichkeit verknüpft mit menschlichem Schicksal. Ein Muss für alle Hieroglyphen-Interessierte um die Person kennen zu lernen, die den Code der Pharaonen geknackt hat!

(Rezensentin: Anja Semling, 2006)
  

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