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Hieroglyphen schreiben leicht gemacht von Angela McDonald 

Hieroglyphen


Hieroglyphen schreiben leicht gemacht
 
Grüße - Redensarten - Namen - Flüche

  • von Angela McDonald
  • Verlag: Theiss
  • Umfang: 80 Seiten
  • mit 43 farbigen Abbildungen,
    zahlreichen Skizzen und Schreibhilfen
  • Broschiertes Buch
  • Format: 20 x 26 cm
  • Erscheinungsdatum: September 2008
  • ISBN: 978-3-806-22195-4
  • 14,90 Euro [D]


Dieses Buch, das sich mit ägyptischen Hieroglyphen beschäftigt, gibt Anregungen, Tipps und Anleitungen für das eigenständige Schreiben oder vielmehr Zeichnen von eigenen hieroglyphischen Wortzusammenstellungen.
Die Ägyptologin und Autorin der Publikation Angela McDonald, hat sich dabei inhaltlich auf Grüße, Redensarten, Namen und Flüche der alten Ägypter konzentriert.
Mit diesem 80-seitigen und optisch sehr ansprechend gestalteten Werk ist es nach Ansicht der Verfasserin ein Leichtes selbst gezeichnete Hieroglyphen zu erstellen. Ziel des Buches – laut Einleitung – ist es, dem Interessierten beizubringen eigene Hieroglyphen zu schreiben sowie diverse Bedeutungsebenen, welche die Ägypter auf ihre Namen verwandten zu erkunden: Namen für sie selbst, für ihre Tiere, Götter und sogar Gebäude. Ziel soll auch sein selbst seinen eigenen Namen in Hieroglyphen zu gestalten und zu schreiben.
In den Themenkapiteln, wo es um die Beschäftigung von Menschen-, Tier- und Götternamen im alten Ägypten geht, finden sich durchgängig praktische Anleitungen, die die Verwendung von hieroglyphischen Wörtern oder Wortbestandteilen erklären. Diese Anleitungen basieren auf bereits bestehenden authentischen Namen und Wörtern sowie Aussprache und Bedeutung.

Um sich dem komplexen Bereich der Welt der Hieroglyphenschrift zu nähern, bedarf es vorab einige wesentliche Informationen die die Prinzipien der Hieroglyphenschrift erklären. Dieses erfährt der Leser in eher knappen Artikeln im ersten Kapitel "Die Hieroglyphenschrift". Hierbei geht es um die Schriftarten, -richtung, -reihenfolge und Aussprache. Auf eine detaillierte Grammatik wird in dem Buch bewußt verzichtet. Im ersten Kapitel findet der Leser neben Beispielen zu den verschiedenen Gruppen von Hieroglyphen (Phonogramme, Determinative, Ideogramme) auch ein Alphabet der sogenannten Einlautzeichen (gehören zur Gruppe der Phonogramme), das offensichtlich von der Autorin zusammengestellt wurde. Damit kann der Leser seinen eigenen Namen oder jedes beliebige Wort in Hieroglyphen schreiben. Allerdings ist dieses Alphabet nicht das von der Wissenschaft
zusammengestellte ägyptologische, welches Transliterations-Zeichen benützt. – Die Übertragung von Hieroglyphen in Laute nennt man Transliteration oder auch Transkription, welche nur Konsonanten beinhaltet da die Hieroglyphenschrift aus solchen besteht. Die Vokale werden nachträglich beim Sprechen eingefügt. Im Buch findet sich diese fachgerechte Übertragung nicht, dafür in geschriebener Form die Aussprache mit unseren Vokalen.

Nachdem der Leser eingeführt wurde in das Minimum für das notwendige Verständnis zum System der Hieroglyphenschrift, erfährt er in den nachfolgenden Themenkapiteln vertiefende Informationen zu Menschennamen, Tiernamen und Götternamen. Hier soll der Leser auch lernen wie ägyptische Namen aufzuschlüsseln und zu verstehen sind. Der letzte Teil des Buches behandelt Wörter und Wendungen auf Ägyptisch und konzentriert sich auf jene, die sozusagen für uns heute als Wegweiser zu unterschiedlichen Aspekten aus der Lebenswelt der Ägypter fungieren. Der Ägypter sagte beispielsweise nicht "Muschel" sondern "Stein vom Mund des Meeres". In diesem Kapitel finden sich zum Beispiel auch Grußformeln und Glückwünsche auf altägyptisch, die "leicht" abzuschreiben sind.
Im zweiten Kapitel "Menschen und ihre Namen" ist es im historischen Kontext wichtig zu wissen, dass der Name im alten Ägypten nicht nur im Diesseits eine Bedeutung hatte sondern auch im Jenseits. Man weiß heute, dass der ausgelöschte oder ausgehackte Name eines Ägypters, dessen Auslöschen seiner Existenz bedeutete – nach dem Glauben der alten Ägypter. Dieses Kapitel beleuchtet etliche interessante Namen und Titel aus dem Volke Pharaos sowie Spitznamen, Kosennamen, Familienbeziehungen oder Berufe; beispielsweise hieß der "Boss" im alten Ägypten "Vorsteher aller Arbeiten" (imi-ra kat nebt) oder eine Frau konnte heißen "Möge sie das Leben lieben" (meres-anch); Auffallend hierbei die einzelnen Wort-Kombinationen. Lesenswert sind ebenso sämtliche Informationen zu den tiefergehenden Ausführungen über die Bedeutsamkeit und Anwendung von Götternamen und Tiernamen. Im Kapitel über die Namen von Tieren sind gebräuchlich Namensbezeichnungen, Tiersymbolik oder Haustiernamen vorgestellt; für Haustierbesitzer finden sich darin bestimmt originelle Anregungen.

Der Vorteil dieses Buches liegt sicherlich auch darin begründet, dass der Leser nicht mit komplizierter Grammatik und lernen von Vokabeln konfrontiert wird. Doch darf der Leser auch keinesfalls erwarten, dass ihm somit Hieroglyphen erlernen leichter gemacht wird. Lediglich die Fähigkeit erwerben eigene Wörter mittels den Einlautzeichen zu schreiben und wie man fertige Hierolyphen-Wörter abzeichnet und in der Praxis anwendet, kann der Interessierte hiermit. Um diese Schrift aber richtig verstehen und lesen zu können, bedarf es gründlicher und systematischer Beschäftigung. Weil viele Hieroglyphenbeispiele im Buch aus Mehrlautzeichen, Ideogrammen und Deutzeichen bestehen, diese im Buch aber nicht ausführlich im Kontext der Grammatik und des Schriftsystems erklärt werden, bleibt dem Nicht-Kundigen lediglich die Option diese abzuschreiben aber nicht selbständig zu übersetzen, weder in Transkription noch in Bedeutung. Dem Laien erschließt sich bei den meisten Hieroglyphenbeispielen nicht das Verständnis zum inhaltlichen Aufbau. (Davon abgesehen liegt dies sicherlich auch nicht im Interesse der Autorin?)

Das Buch ist didaktisch sehr gut aufbereitet, besonders die visuelle Gestaltung.  Im Informationstext sind auch Hieroglyphen passend inhaltlich eingearbeitet. Übersichtliche Gliederung der Seiten und der Themeninhalte in Ergänzung mit Hieroglpyhen-Tabellen und farbigen Abbildungen ergeben für den Leser eine frische Aufmachung für sein Lese- und Lernvergnügen. Eine Anleitung wie man Hieroglyphen zeichnet gibt es auch, allerdings ist diese recht kurz ausgefallen. Besser wäre gewesen, sämtliche Einlautzeichen (rund zwei Dutzend) aufzuführen, anstatt nur fünf Zeichen.

Wie der Umschlagtext ja bereits ankündigt, ist es mit dem Buch möglich spielerisch an die Sache ranzugehen. Das dürfte dem Laien oder weniger Hieroglyphenkundigen sehr entgegenkommen, für welche das Werk im Prinzip geschaffen wurde. Aber auch für Leute mit Hieroglyphenkenntnissen stellen die Inhalte eine Bereicherung hinsichtlich der Thematik rund um ägyptische Namen dar. Die Autorin drückt sich gut verständlich aus und verzichtet weitgehend auf Fachjargon. Außerdem kann dies Buch Lust auf mehr machen, für jene die sich danach ernsthaft mit der Schrift der Ägypter auseinandersetzen mögen. Im Anhang des Buches findet sich weiterführende Literatur.
Das Buch ist empfehlenswert für Laien unter dem Aspekt ein kompliziertes Schriftsystem nicht tiefgründig kennenzulernen. Weil das Buch Schwerpunkte setzt und sich mit "Grüßen – Redensarten – Namen – Flüche" beschäftigt, die es gilt einzustudieren, um dann selbst im Eigengebrauch seine individuellen Hieroglyphen-Aussagen oder Namen anzuwenden. Für daheim, in der Schule, unter Freunden, etc.


(Rezensentin: Anja Semling, 2008)

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